Bereits im vergangenen Jahr hat der Europäische Dachverband der freien darstellenden Künste (EAIPA) bei einer Tagung in Wien – an der auch PERFAS teilnahm – darauf aufmerksam gemacht, dass Kunst, Kultur und Wissenschaft vermehrt zur Zielscheibe vor allem rechtsgerichteter Parteien werden, die dabei einem klaren “Drehbuch” folgen.
Zu den typischen Strategien zählen: die Delegitimierung von Kulturinstitutionen wie Museen, Subventionsdruck und institutionelle Selbstzensur, die politisch motivierte Besetzung kultureller Einrichtungen sowie strukturelles Prekarisieren bestimmter Berufsgruppen. In diesem Zusammenhang ist bezeichnend, dass LR Galateo – im Gegensatz zu LR Philipp Achammer – noch keinerlei erkennbare Schritte zur Umsetzung der im Koalitionspapier verankerten Fair-Pay-Ziele für Kunstschaffende unternommen hat. Hinzu kommen individuelle Angriffe auf Wissenschaftler:innen und Kunst- und Medienschaffende sowie SLAPP-Klagen (Strategic lawsuit against public participation), wie etwa die Anzeige von LR Galateo gegen den Journalisten Anton Rainer.
Die preisgekrönte Ausstellung im Naturmuseum Bozen ist von internationalem Rang und hat eine eindeutige wissenschaftliche Botschaft: Diversität ist kein Ausnahmefall, sondern ein grundlegendes Prinzip der Natur. Damit liefert sie einen wichtigen Beitrag zu einer offenen und inklusiven Gesellschaft – Werte, die für PERFAS unumstößlich und nicht verhandelbar sind.
Es ist nicht die Ausstellung und nicht das Theater Carambolage, die “ideologiegeleitete Propaganda” betreiben. Ideologisch ist vielmehr der Versuch, alle Vielfalt in den Bereich des Unnatürlichen oder Widernatürlichen abzudrängen und damit die Uhr der gesellschaftlichen Entwicklung zurückzudrehen – bis in sehr dunkle Zeiten.
Die versuchte politisch-inhaltliche Einflussnahme auf Wissenschaft und Kunst unter dem Deckmantel, sie „frei von Ideologie“ zu halten, ist eine perfide Form der Täter-Opfer-Umkehr. Sie wird als Vorwand eingesetzt, um menschenfeindliche rechte Inhalte im öffentlichen Diskurs zu normalisieren und gesellschaftliche Spaltung und Desinformation voranzutreiben.
Vor diesem Hintergrund ist die Haltung von Landeshauptmann Arno Kompatscher, wonach sich diese Angriffe „von selbst kommentieren“, aus der Sicht von PERFAS nicht ausreichend. Wir teilen die Überzeugung von LR Philipp Achammer, dass Politik und Gesellschaft klar gefordert sind, hier eine deutliche Grenze zu ziehen. Die aktive Verteidigung unserer demokratischen Werte und einer offenen Gesellschaft, in der sich alle sicher fühlen können, ist eine tägliche Aufgabe. Dass dies für eine breite Mehrheit der Südtiroler Zivilgesellschaft ein zentrales Anliegen ist, hat zuletzt der hohe Zustrom zur Demonstration gegen Ausgrenzung und Remigration eindrücklich gezeigt.
Wir laden die Bevölkerung darum herzlich ein, die Ausstellung „Queer Nature“ im Naturmuseum und die Vorstellung “Queere Tiere” in der Carambolage zahlreich zu besuchen. Das beste Mittel gegen eventuelle Berührungsängste und Stereotype ist der Kontakt und die persönliche Erfahrung in den offenen Räumen, die Kunst, Kultur und Wissenschaft täglich bereitstellen.
Von Landesrat Galateo erwarten wir, seine Aufgabe als Kulturlandesrat wahrzunehmen und diese Räume zu schützen und zu fördern – anstatt sie anzugreifen.
Foto: Naturmuseum Bozen