Flashback: 1. Februar 2021. Mitten in der Pandemie, in der Kunst- und Kulturschaffende gezwungen waren, ihre Berufe auf Eis zu legen, gründet eine Handvoll engagierter Performing Artists im Bozner Hotel Laurin die Berufsvereinigung PERFAS (Performing Artists Association South Tyrol) und setzt ein starkes Zeichen für den gesellschaftlichen Wert und die unaufschiebbaren Anliegen einer gesamten Berufsgruppe.
Fünf Jahre später vereint PERFAS über 350 professionelle darstellende Künstlerinnen und Künstler – von Musiker:innen über Tänzer:innen, Schauspieler:innen und Comedians bis hin zu Backstage-Profis wie Regisseur:innen, Masken- und Bühnenbildner:innen oder Techniker:innen – und macht gemeinsam klar: Kunst ist Beruf, Wirtschaftsfaktor und gesellschaftlicher Motor.
„Wir wollten eine Community schaffen, in der Künstler:innen nicht nur gehört, sondern auch gemeinsam stärker werden“, bringt Schauspielerin und Stage-Tribe-Speakerin Eva Kuen das Selbstverständnis von PERFAS auf den Punkt. Als treibende Kraft für kulturpolitische Innovation und als Informationsdrehscheibe für Kunstschaffende ist PERFAS in kürzester Zeit unverzichtbar für die Branche geworden.
Das neunköpfige Team engagiert sich für faire Arbeitsbedingungen und eine solide soziale Absicherung, setzt professionelle Standards und stärkt Kunstschaffenden damit den Rücken für ihre tägliche Arbeit. Nur so können Kunst und Kultur als tragende Säulen einer offenen, vielfältigen und demokratischen Gesellschaft zukunftssicher gemacht werden. „Wir stehen dafür ein, dass Performing Artists ihre Arbeit nicht nur mit Leidenschaft, sondern auch mit wirtschaftlicher Sicherheit leben können“, sagt Thomas Maniacco, Geschäftsführer von PERFAS und selbst Musiker. „Ein besonderes Anliegen ist uns die enge Zusammenarbeit mit den benachbarten Kunstdisziplinen sowie die gezielte Vernetzung von Kultur, Wirtschaft und Bildung, um den kreativen Sektor gemeinsam voranzubringen.“
Wirksame Erfolge – von Kulturpolitik bis Community
In den vergangenen fünf Jahren hat PERFAS:
- sich als institutionelles Sprachrohr der Performing Arts etabliert und den kulturpolitischen Diskurs maßgeblich mitgeprägt,
- den IDM Music Fund Südtirol angestoßen und mitkonzipiert – eine neue Wirtschaftsförderung für Musikschaffende, die nach dreijähriger Vorarbeit 2025 Realität wurde,
- konkrete Verbesserungen für Künstler:innen erreicht wie Budget- und Gagenerhöhungen im Rahmen von “Wir für Fair Pay” und die erhöhten regionalen Rentenzuschüsse,
- sich mit europäischen Partnerorganisationen vernetzt, um grenzüberschreitendes künstlerisches Arbeiten zu fördern und zu vereinfachen,
- mit einer Vielzahl an praxisnahen Informations- und Beratungsangeboten die Professionalisierung ihrer Mitglieder weiter vorangetrieben,
- mit dem PERFAS Young Talents Team junge Nachwuchstalente auf ihrem Weg in Performing-Arts-Berufe unterstützt.
Durch zielgerichteten Einsatz der knappen Ressourcen und im konstruktiven Dialog mit Politik und Verwaltung hat PERFAS in kurzer Zeit viel in Bewegung gebracht. Schauspieler und Präsident Peter Schorn bedankt sich für das große Vertrauen und die Wertschätzung seitens der Kulturpolitik und der Partnerinstitutionen: “Die künstlerische Community wächst zusammen und das Potential der Kreativwirtschaft in Südtirol ist in den Spotlight gerückt. Letztlich profitieren alle von dieser Entwicklung, denn ein lebendiges kreatives Umfeld ist entscheidend für Lebensqualität, Standortattraktivität und die soziale Zusammengehörigkeit einer Region.”
Ausblick: Noch mehr Power für Kunst und Kultur
Mit neuen Initiativen und wachsender Präsenz hat der Verband viel vor in den nächsten fünf Jahren. Zu den großen Projekten gehören unter anderem:
- eine stabile Partnerschaft zwischen Kultur und Schule,
- eine zukunftsweisende Kulturstrategie für Südtirol,
- der Ausbau der sozialen Absicherung und
- die Weiterführung des Fairness-Prozesses.
Ein Kernthema ist auch das derzeit bestehende Gagen-Ungleichgewicht zwischen den Sprachgruppen. Sandra Passarello, Schauspielerin und Vizepräsidentin des Verbandes: “Das Fair-Pay-Ziel in der Koalitionsvereinbarung darf nicht nur für eine der drei Sprachgruppen gelten. Der Prozess, der in der deutschsprachigen Szene erfolgreich angestoßen wurde, muss auch im italienischsprachigen Theater ankommen: durch eine dringend nötige Anpassung des Gagenniveaus, gegebenenfalls auch über eine Aufstockung der Budgets.”
Im Fachbereich Musik gibt es mehrere Arbeitsschwerpunkte: „Mit dem IDM Music Fund wird die Musikbranche erstmals nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich ernst genommen und langfristig gestärkt. Zudem planen wir eine enge Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Musikarchiv und dem Amt für Film und Medien und führen in der Fachgruppe Musik intensive Gespräche zum Thema Fair Pay, Honoraruntergrenzen und realen Arbeitsbedingungen im Musikbereich, deren Ergebnisse 2026 finalisiert und vorgestellt werden sollen“, erklärt Musiker und Music-Tribe-Speaker Simon Gamper.
Zum 5. Geburtstag blickt PERFAS selbstbewusst auf das Erreichte – und mit viel Energie nach vorne. “Wie lebendig und eindrucksvoll unser künstlerisches Potenzial in Südtirol ist, hat erst vor wenigen Tagen die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele ‘ON FIRE’ spürbar gemacht”, sagt PERFAS Dance-Tribe-Speakerin und Tanzkünstlerin Sabrina Fraternali, die das Event als Choreografin mitgestaltet hat. “Wir können und dürfen stolz sein auf die Qualität und die Strahlkraft der darstellenden Künste in Südtirol.”