In den nächsten Tagen streiken Theaterschaffende in ganz Italien. Und das aus gutem Grund: Die letzte Überarbeitung des Kollektivvertrages stammt aus dem Jahr 2018, und die Vereinbarung ist 2021 ausgelaufen. Am 12. Oktober hatten die Gewerkschaften einen finanziellen Vorschlag der Arbeitgeberseite, der nicht einmal die Inflation ausgleicht, als völlig unzureichend zurückgewiesen.
Die Zahlen sprechen für sich: Für Mitarbeitende – zu dieser Kategorie gehören auch Schauspieler:innen, Tänzer:innen und Bühnenarbeiter:innen – beträgt der Mindesttageslohn aktuell etwa 71 Euro brutto (einschließlich Zulagen).
Es steht außer Frage, dass sowohl dieser aktuelle Kollektivvertrag als auch die von Arbeitgeberseite vorgeschlagenen Anpassungen völlig realitätsfern sind und nicht annähernd gewährleisten, dass professionelle Theaterschaffende von ihrem Beruf leben können.
Zum Vergleich: Der Blick auf unsere Nachbarländer
Das sind die Empfehlungen für Honoraruntergrenzen der Berufsvertretungen in unseren Nachbarländern.
Österreich (IG Freie Theaterarbeit):
- Honoraruntergrenze (Betriebsbrutto!) 227 € pro Tag/8h
- Fair Pay Level (Betriebsbrutto!) 268 € pro Tag/8h
- Achtung: diese Beträge verstehen sich als Dienstgeberbrutto und entsprächen in Italien einem Rechnungsbetrag von etwa 208 €, also dem Dreifachen des aktuellen Mindesttageslohns im italienischen Kollektivvertrag.
Deutschland (Bundesverband Freie Darstellende Künste BFDK):
- Honoraruntergrenze (Nettohonorar!) für Nicht-KSK-Versicherte: Monat: 4.220 €
- Woche: 970 €
- Aufführungen (10% des Monatshonorars): 422 €
- Achtung: diese Beträge verstehen sich als Nettobeträge und enthalten bereits eine Pauschale zur Risikoabdeckung wie Unfallversicherung oder Mutterschutz.
Was fordern die italienischen Gewerkschaften?
- Zunächst: Ausgleich der Inflationsverluste aus den Jahren 2021 bis 2026 (Inflation ca. 23%)
- anschließend: neue Verhandlungen für den Dreijahreszeitraum 2027–2029.
Fair Pay im Koalitionsvertrag der Südtiroler Landesregierung
FAIR PAY steht außerdem im Koalitionsvertrag der Südtiroler Landesregierung, der für alle Sprachgruppen gilt. Während die Budgets der deutschsprachigen professionellen Theaterbetriebe in dieser Legislatur immerhin um mind. 30% erhöht wurden, um die Gagen der Künstler:innen anpassen zu können, fehlen bislang im italienischsprachigen Betrieb jegliche Maßnahmen.
PERFAS fordert die Verantwortlichen in der Provinz Bozen dringend auf, umgehend aktiv zu werden und sich ernsthaft, rasch und langfristig für deutliche Gagenerhöhungen einzusetzen.